Eine junge Frau mit Zopf kniet auf allen Vieren auf gefliestem Boden eines Duschraums, während Wasser von oben auf sie herabfällt.

Carrie: Carrie trifft auf Cybermobbing – Staffel 1 – Review

Mit der Serie „Carrie“ adaptiert Mike Flanagan für Prime Video den bekannten Debütroman von Stephen King als Horrordrama. Carrie White kommt erstmals an eine Schule, wird Opfer eines Mobbingskandals und entwickelt telekinetische Kräfte, um sich gegen ihre Peiniger zu wehren. Wie die erste Staffel von „Carrie“ ist, erfahrt ihr hier. 

Carrie trifft auf Cybermobbing

Carrie White (Summer H. Howell) wuchs isoliert auf, bis Behörden nach dem Unfalltod ihres Vaters ihren Wechsel an die Ewen High School veranlassten. Dort gerät sie rasch ins Abseits. Als Mitschülerinnen ihre Panik bei der ersten Periode filmen und online verbreiten, entbrennt ein schwerer Mobbing-Skandal.

Carries vermeintliche Rettung durch die populären Schülerinnen Chris Hargensen (Alison Thornton), Sue Snell (Siena Agudong) und Tina Blake (Josie Totah) entpuppt sich als Falle. Getrieben von Grausamkeit will Chris sie ruinieren. Unbemerkt entwickeln sich in Carrie jedoch immer stärkere telekinetische Kräfte. Während ihr Umfeld abgelenkt ist, bahnt sich eine verhängnisvolle Entwicklung an, die am Abend des Schulballs fatal endet.

Eine blonde junge Frau beugt sich konfrontierend zu zwei sitzenden Jugendlichen in einer belebten Schulkantine.
© Prime Video

Eine Neuinterpretation

Als erste Serienadaption von Stephen Kings Debüthorrorroman aus dem Jahr 1974 führt die Amazon-Serie „Carrie“ die Reihe der bisherigen Verfilmungen fort – nach „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ (1976), „Carrie“ (2002) und „Carrie“ (2013). Verortet ist das Projekt bei Drehbuchautor und Regisseur Mike Flanagan, der für seine King-Adaptionen „Das Spiel“, „Doctor Sleeps Erwachen“ sowie „The Life of Chuck“ bekannt ist.

Schon zu Beginn wird deutlich, dass sich die Serie stark vom Buch und von den bisherigen Filmen unterscheidet. Carrie besucht hier zum ersten Mal eine Schule und lernt die Welt überhaupt erst kennen. Ein Element, das im weiteren Verlauf der Serie allerdings kaum noch eine Rolle spielt (dazu später mehr). Sehr schnell wird klar, wer unter den Mitschülern zu ihren Freunden oder Feinden gehört. Genial gelöst ist die Einbindung von Social Media: Carrie ist zwar das zentrale Symbolbild für Mobbing, aber eben nicht das einzige Opfer. Die Serie nimmt das Grundgerüst der Buchvorlage und verpflanzt es gekonnt in ein modernes Highschool-Setting.

Neben Carrie sticht vor allem Christine Hargensen als spannendste Figur heraus. Ihre egoistische Erziehung prägt ihr Verhalten spürbar, für sie sind immer nur die anderen schuld. Umso treffender und gelungener wirkt das, was am Ende mit ihr geschieht. Ebenfalls fantastisch umgesetzt ist die Handlung rund um Emaline (Thalia Dudek), die plötzlich auftaucht und ausschließlich mit Carrie interagiert. Das hat natürlich einen konkreten Grund. Dennoch tut Emaline der Hauptfigur nicht unbedingt gut, da sie Carrie dazu anstiftet, ihre Kräfte einzusetzen.

Trotz dieser Stärken gelingt der Serie der Spagat zu einem vollwertigen Highschool-Drama nicht ganz, da der Fokus fast ausschließlich auf Carrie und Chris liegt. Eine wichtige Figur wie Sue wird dabei leider etwas stiefmütterlich behandelt. Zudem wirkt Carrie nicht wie jemand, der völlig isoliert aufgewachsen ist, hier hätte die simple Erklärung gereicht, dass sie zuvor zu Hause unterrichtet wurde. Wie Sue ganz richtig anmerkt, ist Carrie schlichtweg viel zu nett geraten.

Wenig überzeugend ist schließlich das Ende geraten, insbesondere das Auftauchen einer geheimnisvollen Organisation, die Jagd auf Carrie macht, sowie die Andeutung einer möglichen zweiten Staffel. Der einzige wirklich coole Aspekt an diesem Ausblick wäre, wenn „Carrie“ dadurch im selben Universum wie „Das Institut“ angesiedelt wäre.

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