Laura Laabs inszeniert mit „Rote Sterne überm Feld“ (2025) einen Thriller, der ein Jahrhundert deutscher Historie umspannt. Die Handlung nimmt ihren Lauf mit der Entdeckung eines uralten Skeletts in einem Moor der ostdeutschen Provinz, woraufhin sich ein tiefgreifendes historisches Mysterium um die Identität des Verstorbenen entfaltet. Wie der Film „Rote Sterne überm Feld“ ist, erfahrt ihr hier.
Stadtflucht
Inmitten des deutschen Frühlings sieht sich die junge Aktivistin Tine (Hannah Ehrlichmann) zur Flucht gezwungen, da ihre jüngste politische Aktion die Aufmerksamkeit der Behörden als potenzieller Terrorakt erregt hat. Sie sucht Unterschlupf im heimischen Bad Kleinen auf dem zerfallenden Hof ihres Vaters. Doch die ländliche Abgeschiedenheit in Ostdeutschland trügt: Die Entdeckung eines uralten Skeletts im Moor direkt vor ihrem Zuhause versetzt das Dorf in Aufregung und bringt lang verborgene Episoden aus einem Jahrhundert deutscher Historie ans Licht.
Angetrieben von Neugier stellt Tine eigene Ermittlungen an und rekonstruiert drei denkbare Schicksale für den Toten: Es könnte sich um einen im Zweiten Weltkrieg untergetauchten Wehrmachtssoldaten handeln, um ein Opfer der folgenschweren RAF-Razzia im Jahr 1993 oder um einen kritischen Vorarbeiter aus der DDR-Ära. Ihre Suche führt sie tief in die Windungen des kollektiven Gedächtnisses, wobei sie gleichermaßen mit der Historie ihrer eigenen Familie wie mit aktuellen gesellschaftlichen Konflikten – von lokalen rechtsextremen Tendenzen bis hin zu modernen Protestformen – konfrontiert wird.

Eine Reise durch die Geschichte
Ein weiterer Film zur deutschen Geschichte? Tatsächlich, und dieses Mal bildet eine Moorleiche das Zentrum. Durch diesen Fund entfalten sich verschiedene Episoden aus der Vergangenheit von Bad Kleinen, wodurch Tines eigentliche Motivation für den Besuch bei ihrem Vater (Hermann Beyer) beinahe nebensächlich erscheint. Sie hat Berlin verlassen, nachdem sie mit einer linksorientierten Aktivistengruppe rote Flaggen auf dem Reichstagsgebäude gehisst hatte. Ein bemerkenswerter Zufall, wenn man bedenkt, dass sich 1993 RAF-Angehörige in Bad Kleinen verbargen, was in einem fatalen Polizeieinsatz mündete – ein Ereignis, das ebenfalls im Film thematisiert wird.
Die Identität der Leiche bleibt ein Rätsel: Handelt es sich um ein ehemaliges Mitglied der RAF, dessen Ableben verheimlicht wurde, oder womöglich gar um Tines Mutter (Jule Böwe)? Da das Alter des Skeletts unbestimmbar bleibt, beginnt Tine, in der Region nach Vermissten zu forschen. Währenddessen kommt es am Rande der Handlung auch zu Begegnungen zwischen linkem und rechtem Milieu.
Regisseurin Laura Laabs verzichtet auf Naturalismus und gestaltet das Werk als surrealen Reigen, ergänzt durch plakative Inserts und mythologische Anspielungen wie Till Lindemann in der Rolle des Erlkönigs. Das Ergebnis schwankt zwischen politischem Kabarett und grotesken Elementen wie Mettigeln, überzeugt jedoch durch eine ideenreiche und politische Argumentationsweise, selbst wenn das Geheimnis um die Moorleiche nicht gelüftet wird. Liebhaber von Mascha Schilinskis „In die Sonne schauen“ dürften auch an „Rote Sterne überm Feld“ Gefallen finden. Das Werk präsentiert sich als moderne, zunehmend absurde Erzählung über die Geschichte einer kleinen deutschen Gemeinde.