Die von Katie Dippold für Apple TV kreierte Horror-Comedy-Serie „Widow’s Bay“ und spielt auf eine abgelegene, verfluchte Insel in New England. Während die einheimische Bevölkerung fest an übernatürliche Phänomene glaubt und von tiefem Aberglauben geprägt ist, begegnet ihr Bürgermeister diesen Ansichten mit großer Skepsis und weigert sich, den Legenden Glauben zu schenken. Wie die erste Staffel von „Widow’s Bay“ ist, erfahrt ihr hier.
Die verfluchte Insel
Widow’s Bay, eine abgelegene Insel etwa 40 Meilen vor der Küste New Englands, ist die Heimat einer Gemeinschaft, die Bescheidenheit und Isolation gewohnt ist. Bürgermeister Tom Loftis (Matthew Rhys) verfolgt jedoch ehrgeizige Ziele: Er strebt danach, die Insel in ein populäres Touristenziel zu verwandeln. Sein Antrieb ist dabei vor allem privater Natur, da er seinem Sohn Evan (Kingston Rumi Southwick), der Widow’s Bay noch nie verlassen hat, eine vielversprechendere Zukunft ermöglichen möchte.
Diesem Vorhaben stehen jedoch erhebliche Hindernisse im Weg. Die Inselbewohner begegnen Tom und seinem Führungsstil mit tiefem Misstrauen. Tom wiederum tut die düsteren Legenden und den Aberglauben der Einheimischen über Geister, Ungeheuer und einen unheilvollen Nebel als bloßes Seemannsgarn ab. Erst als der Tourismus zaghaft anläuft, muss er schmerzhaft feststellen, dass die Warnungen der Bewohner – allen voran die des schrulligen Wyck (Stephen Root) – bittere Realität sind.

Comedy trifft auf Horror
Hinter der Kamera versammelt die Serie ein beeindruckendes Team: Hiro Murai, bekannt für seinen visuellen Stil in „Atlanta“, leitet das Regie-Ensemble. Unterstützt wird er von Samuel Donovan („Severance“), Andrew DeYoung („The Chair Company“) und dem Horror-Experten Ti West („X“-Trilogie). Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber dem Genre-Mix konnte mich „Widow’s Bay“ überzeugen. Die Serie erfindet das Rad zwar nicht neu, versteht es aber hervorragend, die klassischen Elemente von Horror und Comedy zu einer stimmigen Einheit zu verweben.
Der Einstieg erfordert zwar etwas Geduld, doch sobald man in der Geschichte angekommen ist, entfaltet die Serie ihr volles Vergnügen. Während Kenner des Genres zahlreiche Anspielungen entdecken werden, bleibt der Zugang auch für Horror-Neulinge angenehm niederschwellig. Die Handlung ist packend gestaltet; selbst wenn man bestimmte Wendungen erahnt, verfehlen sie ihre emotionale Wirkung nicht. Besonders gelungen ist der humoristische Aspekt: Die Figuren wirken wie „The Office“-Charaktere, die auf einer verfluchten Insel gestrandet sind – eine Kombination, die perfekt aufgeht.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt die Darstellung des Schauplatzes: Die Insel selbst wirkt in ihrer räumlichen Ausdehnung oft inkonsistent – mal wie ein abgelegenes Eiland, mal wie eine Kleinstadt. Dadurch geht das Gefühl für den speziellen Ort etwas verloren, und die Tatsache, dass es sich um eine Insel handelt, spielt für die Gesamthandlung eine eher untergeordnete Rolle. Dennoch ist „Widow’s Bay“ unter dem Strich eine äußerst gelungene Horror-Comedy. Die Vorfreude auf die bereits bestätigte zweite Staffel ist definitiv vorhanden.